Willi Kemper.  Abstrakter Realismus, 1980 - 1983

 

Die Erscheinung der Dinge im Raum und die daraus entstehende Spannung sind über viele Jahre das Hauptthema Kempers. Ab 1980 durchbricht er diese geschlossene Bildwelt und zerstört die bis dahin in sich logischen Räume.

Er entdeckt die Negativformen der Dinge. Der Raum um die Gegenstände wird plötzlich wichtiger als die Gegenstände selbst. Und trotzdem wird im Bildraum der "herausgestanzte" Gegenstand für den Bildbe- trachter wieder der zentrale Blickpunkt.

Der Stuhl, immer ein wichtiges Objekt in Kempers Arbeit, wird in mehreren seiner Bilder zweifach demoliert. Der Künstler zerlegt den Stuhl in seine konstruktiven Einzelteile. Er arrangiert diese Teile zu einer engmaschigen Struktur und malt dann, oft auf mehreren Ebenen, diese nicht mehr vorhandenen Stuhlteile. Das ist ein eigenartiges Prinzip: Obwohl die Dinge nicht da sind, wirken sie ganz präsent. Kemper zeigt konsequent den Raum um die Dinge.

Stadtplan oder der Wunsch nach Muße, 1982, 140/180 cm, Ölfarbe auf Leinwand
Stadtplan oder der Wunsch nach Muße, 1982, 140/180 cm, Ölfarbe auf Leinwand
Galaabend, 1981, Öl auf Leinwand
Galaabend, 1981, Öl auf Leinwand

Der hermetische Raum, Schrift und Bild, unter Glas.

Absurde Bildräume, geboren aus Träumen oder Ängsten, sind kaum zu erklären. Kemper realisiert sie dann, wenn sie sich in ihm bildhaft festgesetzt haben, als reale Illusion. Die textile Oberfläche hat schon in seinem zeichnerischen Werk eine gewisse Rolle gespielt, hier gebraucht er sie, um eine ganz bestimmte Atmosphäre zu schaffen.

 

 

Darling oh Darling, 1982, 135/185 cm, Ölfarbe auf Leinwand
Darling oh Darling, 1982, 135/185 cm, Ölfarbe auf Leinwand
    all my friends, 1981, 140/107, Öl auf Leinwand
all my friends, 1981, 140/107, Öl auf Leinwand

Pläne, Strukturen, verschiedene Ebenen.

Die Strukturen italienischer Städte, ihre ungeordnete Ordnung und ihre Vielschichtigkeit, inspirierten Kemper zu einer lustvollen Auseinandersetzung. Aus den Stadtplänen verschiedener Toscana-Städte entwickelte er ein eigenes Stadtgefüge. Er entfernt sich von der Realität und macht aus der Struktur ein Spiel von Farben und Formen. Das Bildgefüge arbeitet mit mehreren Ebenen, Kemper gibt an den meisten Stellen des Bildes den Räumen zwischen den Häusern und Palazzi eine feste Form. Das Straßennetz bildet die oberste Ebene. Tief unten durchziehen Wasseradern das aufgebrochene Areal. Nur fünf "Baukomplexe der Moderne" stehen oberhalb der Straßenebene. Das Bild wurde in der Aus- stellung "96 Künstler aus Westfalen" im Landesmuseum Münster gezeigt.

 

 

Citta, 1983, 135/185 cm, Ölfarbe auf Leinwand
Citta, 1983, 135/185 cm, Ölfarbe auf Leinwand