Willi Kemper.  Realistische Zeichnungen,  1975 - 1980

Ilovik, Fischerboote, 1966, Bleistiftzeichnung, 30/40 cm
Ilovik, Fischerboote, 1966, Bleistiftzeichnung, 30/40 cm

Kemper hat im Studium viel gezeichnet. Für ihn war und ist die Zeichnung in ihrer Un- mittelbarkeit fast immer das primäre Medium. Er erlebt sie wie ein Stück Sprache, wie Welterfassung und Gestaltungsmittel. Die Zeichnung ist für ihn wie keine andere Ausdrucksform spontan, direkt, wahr und nie beschönigend. So sind die Mappen aus der Zeit des Studiums voller Zeichnungen: Akte, Pläne für Objekte, Vorskizzen für größere Arbeiten, Reiseberichte, Porträts usw. 1974, bei seinem Neustart in die Kunst, benutzte er die Zeichnung zuerst nur, um Grundlagen für seine realistischen Gemälde zu schaffen. Dabei war sein Zeichenstrich eher expressiv, Kemper umfasste in schnellen Strichen skiz- zenhaft die Räume seiner Bildideen. 1975 begann er, zunächst in kleineren Formaten, seine realisti- schen Bildvorstellungen auch zeichnerisch zu verarbeiten. Ihn begeisterte die große Spannbreite der Graphittöne.

Das Kreuz im Gebirge,    1978,    100/70 cm,    Graphit und Farbstift,  weißes Zeichenpapier
Das Kreuz im Gebirge, 1978, 100/70 cm, Graphit und Farbstift, weißes Zeichenpapier
Entwurf eines Denkmals für die Stadt Dortmund, 1980, 100/70 cm, Graphit a. w. Z.
Entwurf eines Denkmals für die Stadt Dortmund, 1980, 100/70 cm, Graphit a. w. Z.
Der Landvermesser, 1980, 100/70 cm, Graphit auf weißem Zeichenpapier
Der Landvermesser, 1980, 100/70 cm, Graphit auf weißem Zeichenpapier
Männer, III, 1980. 100/70 cm, Graphit auf weißem Zeichenpapier
Männer, III, 1980. 100/70 cm, Graphit auf weißem Zeichenpapier
Zwei Könige, entspannt, ohne Krone, auf neutralem Territorium, die Weltlage besprechend. 1980, 100/70 cm, Grapit auf weißem Zeichenpapier.
Zwei Könige, entspannt, ohne Krone, auf neutralem Territorium, die Weltlage besprechend. 1980, 100/70 cm, Grapit auf weißem Zeichenpapier.
Männer, II, 1979/80, 100/70 cm, Graphit auf weißem Zeichenpapier
Männer, II, 1979/80, 100/70 cm, Graphit auf weißem Zeichenpapier

 

 

 

In Kempers Zeichnungen bestimmt fast immer die Ausdehnung der Skala vom Weiß des Papiers bis zum dunklen Schwarz des fetten Graphits die Tiefe der Darstellung. Und dazwischen kommen alle Nuan- cen der Grautöne zur Geltung. Für Kemper ist der Prozess des Zeichnens immer ein organisches Wach- sen, eine Entwicklung von der Linie zur Fläche, von der Fläche zum Raum, vom Hellen zum Dunklen. Eine Analogie zur Bildhauerei tut sich auf: Anders als in der Malerei sind die Prozesse der Zeichnung nicht rückgängig zu machen. Da, wo das Weiß des Papiers verschwunden ist, ist es verloren. Die Furchen des Zeichenstiftes sind einfach zu tief. Die Zeichnungen Kempers wurden 1980 vom Westfälischen Museumsamt in der Ausstellung "Drei westfälische Künstler", zusammen mit einem umfangreichen Katalog, in vielen westfälischen Städten ausgestellt.